Bin ich mit ADHS behindert?

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MOK Rhein-Main macht zusammen mit Kita Frankfurt Artikel 23 der UN-Kinderrechtskonvention zum Thema

Ein Bericht von Katja Ester, Medienpädagogin im MOK Rhein-Main

Kinder haben das Recht auf ein aktives Leben, egal, ob sie eine Behinderung haben oder nicht. Die Barrieren, die ihnen im Weg sind, müssen abgebaut werden. Wenn sie Hilfe benötigen, müssen sie sie bekommen.

Vom 1. bis 7. Juni 2024 hat die Stadt Frankfurt erneut die Kinderrechte gefeiert. Im Rahmen der Veranstaltung "Stadt der Kinder" stand in diesem Jahr Artikel 23 der UN-Kinderrechtskonvention "Recht auf Förderung von Kindern mit Behinderung“ im Fokus. In Kooperation mit Kita Frankfurt, einem Eigenbetrieb der Stadt Frankfurt, haben wir ein Filmprojekt an einer Frankfurter Kita angeboten. Das Projekt fand vom 4. bis 7. Juni 2024 im Kinderzentrum (KiZ) Lauterbacher Straße im Frankfurter Stadtteil Fechenheim statt. Daran nahmen neun Kinder aus dem Hort der 3. Klasse teil, darunter ein Kind mit geistiger Behinderung und ein Junge namens Ali (8 Jahre), der ein Drilling ist und nicht sprechen kann. Ein weiteres Kind, Emilio (10 Jahre), hat ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und wird häufig von der Schule suspendiert. 

1. Tag (Montag):
Nach einer Einführung in das Thema Kinderrechte und den Artikel 23 stellen die Kinder Fragen wie "Ab wann hat man eine Behinderung?" und "Was ist eine Behinderung?". Es entstand eine Diskussion darüber, ab wann man als "behindert" gilt. Emilio fragte, ob ADHS auch als Behinderung zählt. Wir einigten uns darauf, es als Verhaltensstörung zu bezeichnen. Das Wort "Inklusion" wurde erklärt. Anschließend besprachen wir das Projekt und entschieden uns, einen Kurzfilm zu drehen. Die Kinder wählten eine Mobbing-Geschichte: Ein neues Mädchen, das kein Deutsch spricht, wird von drei Mitschülern geärgert und auf dem Schulhof verprügelt. Ein anderes Mädchen, das ihre Sprache (Amharisch) spricht, hilft ihr. Der Lehrer greift ein, die Täterinnen entschuldigen sich, und das neue Mädchen wird in die Klassengemeinschaft aufgenommen. 

2. Tag (Dienstag)
Wir begannen mit den Dreharbeiten. Die Kinder waren begeistert. Sie erhielten eine Einweisung in die Kameratechnik. Ali wollte an der Kamera mithelfen, und Emilio übernahm die Rolle des Lehrers, um "einmal in der anderen Rolle zu sein". 

3. Tag (Mittwoch)
Wir drehten auf dem Schulhof. Die Rektorin kam vorbei, bemerkte Emilio und fragte: "Und du bist auch dabei?" Der Betreuer und ich lobten seine schauspielerische Leistung. Die Rektorin schmunzelte und sagte: "Ich bin gespannt auf den Film." Emilio war sehr stolz. 

4. Tag (Donnerstag)
Wir drehten in der Kita. Emilio konnte nur kurz teilnehmen, da er eine Therapiestunde hatte und früher gehen musste. 

5. Tag (Freitag)
Wir schnitten den Film und führten eine Feedback-Runde durch. Alle Kinder fanden das Projekt großartig und lobten die Zusammenarbeit. Alina meinte, es sei schön gewesen zu drehen, auch wenn sie nur kurz im Bild war. Emilio sagte, er habe viel über Teamarbeit und den Filmschnitt gelernt. Matze, der Erzieher, war beeindruckt von der Beteiligung der Kinder und betonte, dass er viel von ihnen gelernt habe. 

Die Filmarbeit motivierte alle Kinder und zeigte ihnen, dass sie ernst genommen werden. Die Leitung des KiZ Lauterbacher Straße in Frankfurt buchte sofort das nächste Projekt für die Sommerferien. In einer E-Mail schrieb sie an mich: "Wir haben großes Interesse daran, da die Kinder beim aktuellen Videoprojekt 'Stadt der Kinder' mit Leib und Seele dabei sind. Es wäre schön, wenn es möglich wäre."  Und natürlich ist es möglich.

Der Film der Kinder des KiZ Lauterbacher Straße wird in Kürze über den Offenen Kanal (OK) Rhein-Main verbreitet und in der Mediathek Hessen veröffentlicht.

 

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