Bei seiner jüngsten Sitzung am 8. Juni war der Programmausschuss der Versammlung der hessischen Landesmedienanstalt in Wiesbaden zu Gast. Den Ausschussmitgliedern bot sich die Gelegenheit, gleich zwei Institutionen und ihre Arbeit näher kennenzulernen und mit den Verantwortlichen über die jeweiligen gesellschaftlichen Funktionen zu sprechen: die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK).
Christiane von Wahlert, Vorständin der 1966 gegründeten Stiftung bürgerlichen Rechts, erläuterte nicht nur die Geschichte der Stiftung, sondern vermittelte gemeinsam mit ihrem Team auch detaillierte Informationen zu den komplexen Abläufen, die mit der Digitalisierung des historischen Filmbestands einhergehen, einschließlich Einblicken in die dafür verwendete Technik. Das Filmarchiv umfasst 2.000 Stummfilme, 1.000 Tonfilme und rund 3.000 Kurz-, Werbe- und Dokumentarfilme, darunter zahlreiche Werke aus der Zeit des Nationalsozialismus. Ausgangspunkt für eine Zusammenarbeit mit der Medienanstalt Hessen: Im vergangenen Jahr wurde der Grundstein für eine Kooperation zur Vermittlung von Medienkompetenz auf dem Feld des Kinofilms gelegt. Vereinbart wurde, Veranstaltungen mit Spielfilmen aus der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Filme) in Kinos und Schulen mit Einführung durch erfahrene Fachreferentinnen und Fachreferenten und anschließender Diskussion verstärkt in Hessen anzubieten.
Prof. Dr. Murad Erdemir, Direktor der Medienanstalt Hessen: „Beim Austausch zwischen Murnau-Stiftung und Programmausschuss wurde deutlich, wie umfassend eine zeitgemäße Medienbildung, die sich verstärkt im digitalen Raum bewegt, von der Auseinandersetzung mit dem historischen Filmerbe und insbesondere den medialen Mechanismen der NS-Zeit profitieren kann. Diese Schnittstelle zwischen politischer Bildung und Medienbildung zu nutzen – dies ist das erklärte Ziel beider Häuser.“
Im Austausch mit der FSK, an dem auch Stefan Linz, Geschäftsführer der FSK, teilnahm, stand der Jugendschutz im Vordergrund: Die Einrichtung der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO) kümmert sich um die freiwillige Altersprüfung von filmischen Inhalten für alle Vertriebswege – von Kino bis hin zu Streaming. Das etablierte Prüfverfahren erläuterten Peter Kaun, Stellvertretender Geschäftsführer der FSK, und Michael Schmidt, Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK. Zudem erhielten die anwesenden Ausschussmitglieder im Gespräch mit ehrenamtlichen Prüferinnen und Prüfern einen praxisnahen Eindruck von dem Prozess, der hinter der Einordnung eines Films in bestimmte Altersstufen steht.
Dorothee Graefe-Hessler, Vorsitzende des Programmausschusses der Medienanstalt Hessen: „Kindern und Jugendlichen einen sicheren Medienkonsum zu ermöglichen, ist für ihren Entwicklungsprozess, aber auch für die Möglichkeit zur Teilhabe zentral. Denn Medienkonsum hat eine wichtige gesellschaftliche Komponente. Zugleich werden durch Einrichtungen wie die FSK Richtlinien geschaffen, die Eltern entlasten. In einer Medienwelt, die zunehmend schnelllebiger und unübersichtlicher ist, handelt es sich dabei um einen bedeutenden Beitrag.“
Vertreterinnen und Vertreter der Murnau-Stiftung, der FSK sowie des Programmausschusses und der Verwaltung der Medienanstalt Hessen in Wiesbaden | © Medienanstalt Hessen


